E-Mail? Telefonnummer bitte!

Mittag Januar fand ich eine E-Mail von meinem Mail-Server in meinem Postfach, Betreff: “Delivery status notification: dalayed”. Seltsam, also schaute ich fix mal in die Logs:

Jan 16 00:05:16 nova smtpd[58231]: 126a1a5b80a270b8 mta error reason=BANNER rejected: 554 \
    IP=194.13.81.44 - None/bad reputation. Ask your postmaster for help or to \
    contacttobr@rx.t-online.de for reset. (NOWL)

Der Mail-Exchanger von T-Online weigerte sich, eine E-Mail von mir an einen seiner Nutzer zuzustellen. OK, kein Problem, dachte ich und wandte mich an die angegebene E-Mail-Adresse. Dahinter verbirgt sich das Telekom E-Mail Team. Dieses verwies mich auf Anfrage auf die Webseite postmaster.t-online.de und darin auf den Abschnitt 4.1 Voraussetzungen für einen reibungslosen Zugang zu unseren Mail-Exchanges. Um mit einem Telekom E-Mail-Server kommunizieren zu dürfen, gelten folgende Voraussetzungen:

Aus dem Hostnamen (FQDN) zur IP-Adresse des anliefernden Systems muss für Betroffene die Domain und somit auch die Website des Betreibers mit unmittelbarer Kontaktmöglichkeit einfach recherchierbar und nachvollziehbar hervorgehen (RFC 1912, FCrDNS, EU-Richtlinie 2000/31/EG Artikel 5).

Im konkreten Fall ging es um die Domain heinze.onl, die ich mir lediglich für den Verwendungszweck E-Mail registriert hatte. Eine Webseite existierte bis dahin nicht und es wäre mir neu, dass dies eine technische Voraussetzung ist, um einen Mail-Server zu betreiben. Ist es auch nicht. Google, Microsoft, Amazon, etc. – alle großen Player nehmen vollkommen geräuschlos E-Mails von meinem Server entgegen bzw. liefern E-Mails an diesen aus. (Dank an Gilles Chehade für sein tolles Tutorial für den Betrieb eines Mail-Servers mit OpenSMTPD, Dovecot und Rspamd!)

Ich verwies das E-Mail-Team daraufhin auf den Whois-Eintrag zur Domain. Dieser zeigt aus Datenschutzgründen – insbesondere seit Einführung der DSGVO – jedoch nur noch den Registrar an, als Mittelsmann sozusagen. Sollte der Bedarf nach unmittelbarem Kontakt bestehen, müsste man also in meinem Falle zunächst bei United Domains anrufen, um an meine Telefonnummer zu gelangen. Das kann man natürlich niemandem zumuten und so wurde mein Hinweis als unzureichend abgelehnt. Garniert wurde das ganze mit der Anmerkung, man würde “nur nachvollziehbar kommerziellen und vergleichbaren Betreibern” erlauben, mit der T-Online Infrastruktur zu kommunizieren. Ich möge mich doch bitte an meinen Hoster oder ISP wenden. Diese Argumentation halte ich, ehrlich gesagt, für eine Frechheit. Sie widerspricht zu tiefst meinem Verständnis von freier Kommunikation, wo es jeder Privatperson erlaubt sein sollte, einen eigenen E-Mail-Server zu betreiben – auch ohne Webseite und/oder Telefon! Für den “rosa Riesen” ist das aus meiner Sicht ein Armutszeugnis. So ein Gebaren findet man wahrscheinlich nur hier in Deutschland. Interessiert sonst niemanden.

Aber gut, dachte ich, Konfrontation bringt mich nicht weiter (ich sitze eh am kürzeren Hebel) und es ist auch keine attraktive Option, T-Online E-Mail-Nutzer zu ignorieren. Meine Telefonnummer im Whois-Eintrag hätte dem E-Mail-Team genügt, jedoch sind meinem Registrar da die Hände gebunden, sagt er. Da ich hier auch keine Lust auf lange Diskussionen hatte, schlug ich nun vor, eine Art Visitenkarte auf meiner Webseite zu schalten. Und nachdem nun Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Link zum Whois-Eintrag über heinze.onl einsehbar sind, ist die Anforderung nach “unmittelbarer Kontaktmöglichkeit einfach recherchierbar und nachvollziehbar” erfüllt. Zwei Tage später ging meine ursprüngliche E-Mail dann erfolgreich durch.

Auch wenn ich kein Freund der T-Online Policy bzw. deren Auslegung bin, hat sich das E-Mail-Team im großen und ganzen (den kurzen Aussetzer hatte ich erwähnt) professionell verhalten und mit mir konstruktiv an einer Lösung gearbeitet. Muss man ja – bei aller Kritik – auch mal lobend erwähnen.